Freitag, 7. Dezember 2018

Die EU-Perspektiven Bosniens – Ein Neuansatz ist nötig

Vortrag des Pharos-Vorstandsmitglieds Dieter Fuchs beim Pharos/VHS-Informationsabend am 16.11.2018 in Echterdingen

Ausgangslage

Stellen Sie sich vor, die erweiterte Metropolregion Stuttgart, inklusive Heilbronn, Schwäbisch Hall und Tübingen mit rund 3,5 Millionen Einwohnern, würde innerhalb von vier Jahren praktisch ihre gesamten Exportmöglichkeiten verlieren. Man wäre zurückgeworfen auf den eigenen Regionalmarkt, bekäme auch keine Bundessteuern mehr, weil auch der Rest Deutschlands seine wirtschaftlichen Verbindungen weltweit verloren hätte. Die wirtschaftliche Lage würde sich dramatisch verschlechtern. In anderen Teilen der Bundesrepublik würden ethnisch unterlegte Unabhängigkeitskriege beginnen.

Bayern und Rheinland-Pfalz würden beginnen, Gebietsansprüche zu stellen, die die Region um Stuttgart in drei Teile zerreißen würden. Die Katholiken in der Region wollten zu Bayern, die Protestanten in die Pfalz, die Nichtreligiösen wollten die Region als eigenständige Gebietseinheit erhalten. Krieg würde beginnen zwischen den drei Gruppen, von außen gesteuert von Rheinland-Pfalz und Bayern.

100.000 Menschen würden dabei sterben und mindestens 250.000 fliehen, also etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Ethnische Säuberungen hätten die drei vorher überwiegend gemischten Bevölkerungsgruppen weitgehend getrennt und von ihren angestammten Besitztümern vertrieben. Und nach drei Jahren würden die UN den Krieg mit einer Friedensvereinbarung beenden, die den Konflikt weitgehend einfriert, ohne die Grundkonflikte zu beseitigen. So war die Situation in Bosnien-Herzegowina zwischen 1989 und 1995.

Seit dem Dayton-Vertrag besteht Bosnien und Herzegowina nun aus zwei Entitäten: der Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine) mit 2.371.603 Einwohnern (62,55 %) und der Republika Srpska mit 1.326.991 Einwohnern (35 %). Die Volkszählung 2013 ergab 50,1 Prozent Bosniaken (größtenteils Muslime), 30,8 Prozent Serben (größtenteils Orthodoxe) sowie 15,4 Prozent Kroaten. Beide Entitäten verfügen jeweils über eine eigene Exekutive und Legislative. Die Föderation Bosnien und Herzegowina setzt sich aus zehn Kantonen zusammen, die wiederum über eigene Zuständigkeiten verfügen.

Montag, 5. November 2018

Neues Buch zu Bosnien-Herzegowina

Die Vorbereitung auf den jährlichen Pharos-Informationsabend - am Freitag 16.11.18 ist es wieder soweit - bildet für mich immer wieder eine willkommene Gelegenheit, die in den letzten Wochen und Monaten gesammelten Texte zu Bosnien und zum Thema "EU-Erweiterung und Westbalkan" durchzuforsten, um mich auf dem Laufenden zu halten. Das Besondere in diesem Jahr ist, dass der (mittlerweile leider) seltene Fall eingetreten ist, dass ein einschlägiges Buch zum Thema erschienen ist, auf das ich an dieser Stelle hinweisen möchte:

Flessenkemper, Tobias / Moll, Nicolas (Hg.) (2018), Das politische System Bosnien und Herzegowinas. Herausforderungen zwischen Dayton-Friedensabkommen und EU-Annäherung, Springer VS.

Es handelt sich um einen breit angelegten Sammelband mit Kapiteln zur Geschichte Bosniens, zum politischen System, den Parteien, aber auch Abschnitten zu Themen wie Religion oder Kunst und Kultur.

Freitag, 2. November 2018

Pharos-Informationsabend am 16.11.18

Pharos e.V. lädt Sie ganz herzlich ein zu unserer alljährlichen Informationsveranstaltung am Freitag, den 16. November 2018, um 19:00 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Echterdingen in der Bismarckstr. 3 (70771 Leinfelden-Echterdingen). Wir freuen uns, diesen Abend wieder in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Leinfelden-Echterdingen und der evangelischen Kirchengemeinde anbieten zu können.

Angesichts neuer Entwicklungen in der EU werden unsere Vorstandsmitglieder Dieter Fuchs und Dr. Ragnar Müller zur Situation auf dem Balkan und zu den Entwicklungschancen von Bosnien-Herzegowina Stellung nehmen.

Ingrid Halbritter, unsere Projektkoordinatorin, wird über unsere Projekte vor Ort berichten. Dazu steht uns dieses Jahr aktuelles Film- und Bildmaterial zur Verfügung, das in diesem Sommer bei einem Besuch von Jörg Steinbach, Fotograf aus Berlin, entstanden ist. Mehr Informationen finden Sie im Veranstaltungsplakat [pdf, 389 kb]...

Aktuelle Informationen über unsere Arbeit

Unsere Vorsitzende Heike Schesny-Hartkorn hat zusammen mit der Projektleiterin Ingrid Halbritter einen Infobrief mit wichtigen Informationen zu unserer Arbeit verfasst. Der Text steht unter dem Motto "Sich ein Herz fassen" [pdf, 1,2 MB]...

Samstag, 4. August 2018

Stand der Dinge vor der Sommerpause

Im Telegrammstil die wichtigsten Neuigkeiten aus unserer Arbeit:
  • Wir freuen uns über die mündlichen Zusagen des Diakonischen Werks Württemberg und des Staatsministeriums Baden-Württemberg, ein Vorhaben in Bosnien-Herzegowina zu finanzieren, das zum Ziel hat, dass Menschen in Armut eine Krankenversicherung erhalten können.
  • Unsere wichtige Aufklärungsarbeit zur legalen Migration nach Deutschland wird mit EU-Mitteln bis Ende 2019 weiter finanziert werden. Neue Aspekte werden sein: Prävention zur Ausbeutung von Arbeitskräften und Verbreitung von Informationen über die Möglichkeit, in Deutschland eine Berufsausbildung zu machen.
  • Sorge bereitet uns momentan, dass in der Zusammenarbeit mit einem neuen Partnerverein in der Projektkostenabrechnung mutmaßlich gefälschte Rechnungen aufgetaucht sind. Jetzt ermittelt die Polizei und wir haben Anzeige erstatten müssen. Das ist für uns eine schwere Enttäuschung. Mit den Geldgebern des Romaprogramms sind wir derzeit im Gespräch und suchen nach guten Lösungen, wie wir den Schaden so gering wie möglich halten und das geplante Vorhaben auf anderem Wege erfolgreich durchführen können.
  • Am 24. August 2018 wird uns der Landtagsabgeordnete Alexander Meier in Sarajevo besuchen und sich über unsere Romaarbeit informieren.
  • Der Photograph Jörg Steinbach wird im August ehrenamtlich unsere Projekte mit Fotos und Filmaufnahmen dokumentieren. Diese werden an unserem Infoabend am 17.11.2018 zu sehen sein. Bitte Termin vormerken!
Wir wünschen allen von Herzen einen schönen Sommer und gute Erholung!

Mittwoch, 20. Juni 2018

Benefizkonzerte der Musikschule Filderstadt für Pharos

In diesem Jahr erhalten wir eine großartige Unterstützung durch die Musikschule Filderstadt: im Rahmen der Sommerkonzerte des Jugendsinfonieorchesters und des Kammerorchesters bitten die jungen Musikerinnen und Musiker um Spenden für unsere Menschenrechtsarbeit. Die Benefizkonzerte finden am 30. Juni und 1. Juli 2018 jeweils um 18 Uhr im Konzertsaal des Filum statt (www.musikschule-filderstadt.de).

Falls Ihr Zeit habt und in der Nähe wohnt, wäre es uns eine große Freude, mit Euch gemeinsam die Musik und das FILUM zu geniessen und den jungen Musizierenden mit unserem Kommen Würdigung und Wertschätzung auszudrücken. Der Eintritt für beide Konzerte ist frei...

Freitag, 15. Juni 2018

"Bürger & Staat" zum Thema Antiziganismus

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg widmet sich schon seit längerem regelmäßig dem Thema Sinti und Roma sowie Antiziganismus (siehe z.B. hier). Soeben ist die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Bürger & Staat" (eine von drei Zeitschriften der Landeszentrale) erschienen (Heft 1-2/2018), die sich dieses Mal komplett mit diesem Thema auseinandersetzt. Unter der Überschrift "Antiziganismus" finden sich zahlreiche lesenswerte Beiträge. Die Zeitschrift kann kostenlos bei der Landeszentrale bestellt werden und steht als pdf zur Verfügung...

Sonntag, 27. Mai 2018

Tätigkeitsbericht 2017 online

Foto: Ragnar Müller
Unser ausführlicher Tätigkeitsbericht für das vergangene Jahr ist nun online:

Tätigkeitsbericht 2017  [pdf, 645 kb]

Dienstag, 8. Mai 2018

Text zum Islam in Bosnien-Herzegowina

Die Auslandsinformationen 4/2017 der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Religion enthalten den lesenswerten Text von Dževada Šuško mit dem Titel "Ein Modell für Europa? Geschichte und Praxis des Islam in Bosnien-Herzegowina" (S. 6-21). Die Autorin ist Direktorin des Instituts für die islamische Tradition der Bosniaken mit Sitz in Sarajevo. In der Einleitung des kostenlos als pdf oder epub zugänglichen Textes heißt es:
Bosnien-Herzegowina blickt auf eine bewegte Geschichte mit gesellschaftlichen Umwälzungen und kriegerischen Auseinandersetzungen zurück. Insbesondere die bosnischen Muslime waren dabei häufig die Leidtragenden. Vor diesem Hintergrund ist es eher überraschend, dass sich der bosnische Islam durch ein verhältnismäßig hohes Maß an Weltoffenheit und Liberalität auszeichnet. In dieser Hinsicht könnte er möglicherweise sogar als Modell für einen Islam europäischer Prägung dienen.